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Vorsorge oder Sorgen danach
In immer rascherem Rhythmus suchen neue Technologien Abnehmer-
und/oder Anwender/-innen. Die technischen Entwicklungen sind noch nicht
abgeschlossen, die Geräte für die Anwender noch im Entwicklungsstadium,
und schon werden Konzessionen in Erwartung grosser Gewinne für Milliarden
versteigert, wie dies für das UMTS-Mobilfunksystem geschah.
Fragen nach dem Einfluss auf die Gesundheit
werden oft erst nach der grossflächigen Einführung gestellt.
Dabei gibt es genügend Beispiele für die breitflächige
Einführung von Technologien oder Substanzen, die mit ernsthaften
gesundheitlichen Problemen gekoppelt waren. Beispielhaft seien hier DDT,
Asbest und FCKW erwähnt. Die Folgen sind mit viel Leid verbunden.
Wir kennen und betreuen die Opfer. Wirtschaftlich wurden Firmen durch
die Folgekosten in den Ruin getrieben.
Wir alle kennen (und schätzen)
den langen Weg neuer therapeutischer Substanzen von der Forschung bis
in unsere tägliche Praxis. Bevor ein neues Medikament zur breiten
Anwendung freigegeben wird, braucht es viele Jahre und viele Studien.
Dies gilt auch für Stoffe, die einen grossen gesundheitlichen Nutzen
versprechen und die für die Anbieter von grosser wirtschaftlicher
Bedeutung sind. Der Nutzen und das Ziel dieser langen Entwicklungszeit
ist die möglichst grosse Sicherheit für die Patienten/-innen.
Sie sollen nicht durch unvorhergesehene Nebenwirkungen einen Schaden erleiden.
Neue Technologien und/oder Substanzen
im Hinblick auf ihre gesundheitliche Relevanz vor der massenhaften Verbreitung
mit gleichen Ellen zu messen wie Medikamente, gebietet die medizinische
Vernunft. Um die möglichen gesundheitlichen Probleme neuer Entwicklungen
zu antizipieren, sind breitangelegte Studien im Sinne einer Gesundheitsverträglichkeitsprüfung
indiziert. Vorsorge kann vor gesundheitlichen und wirtschaftlichen Sorgen
nach der Einführung der Technologie bewahren.
In drei Artikeln dieser Nummer werden
Betrachtungen aus medizinischer Sicht für den Bereich des Mobilfunks
angestellt. Mitarbeiter/-innen des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin
der Universität Basel (K. Hug und M. Röösli) haben versucht
sich einen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zum
Thema «Hochfrequente Strahlung und Gesundheit» zu verschaffen
und präsentieren die Resultate. Edith Steiner ist Internistin und
berichtet über eigene negative Erfahrungen mit elektromagnetischen
Feldern. In meinem Beitrag versuche ich die Vorsorge in einen grösseren
Zusammenhang zu stellen und Bezüge mit der Politik herzustellen,
denn letztlich sind Entscheide für mehr gesundheitliche Vorsorge
im gesamtgesellschaftlichen Rahmen politische Entscheide. Wer, wenn nicht
wir Ärztinnen und Ärzte, muss sich äussern, wenn es darum
geht, die politischen Entscheide für mehr gesundheitliche Vorsorge
zu treffen. Unseren Bedenken gegenüber der sorglosen und breitflächigen
Einführung der UMTS-Technologie haben wir daher in einer Medienmitteilung
und in Briefen an die betroffenen Ämter und Politiker/innen Ausdruck
gegeben. Wir scheuen dabei den Kontakt mit andern Organisationen nicht,
die sich mit denselben Sorgen plagen.
Denn, wenn die Vorsorge versagt, sind
wir die ersten, denen die betroffenen Menschen ihre Sorgen mitteilen und
deren gesundheitliche Probleme wir in unseren Praxen zu diagnostizieren
und zu behandeln haben.
Dr. med. Bernhard Aufdereggen,
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz
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