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Nr. 03/2004

Editorial / Editorial / Editoriale
 


Vorsorge oder Sorgen danach

In immer rascherem Rhythmus suchen neue Technologien Abnehmer- und/oder Anwender/-innen. Die technischen Entwicklungen sind noch nicht abgeschlossen, die Geräte für die Anwender noch im Entwicklungsstadium, und schon werden Konzessionen in Erwartung grosser Gewinne für Milliarden versteigert, wie dies für das UMTS-Mobilfunksystem geschah.
      Fragen nach dem Einfluss auf die Gesundheit werden oft erst nach der grossflächigen Einführung gestellt. Dabei gibt es genügend Beispiele für die breitflächige Einführung von Technologien oder Substanzen, die mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen gekoppelt waren. Beispielhaft seien hier DDT, Asbest und FCKW erwähnt. Die Folgen sind mit viel Leid verbunden. Wir kennen und betreuen die Opfer. Wirtschaftlich wurden Firmen durch die Folgekosten in den Ruin getrieben.
      Wir alle kennen (und schätzen) den langen Weg neuer therapeutischer Substanzen von der Forschung bis in unsere tägliche Praxis. Bevor ein neues Medikament zur breiten Anwendung freigegeben wird, braucht es viele Jahre und viele Studien. Dies gilt auch für Stoffe, die einen grossen gesundheitlichen Nutzen versprechen und die für die Anbieter von grosser wirtschaftlicher Bedeutung sind. Der Nutzen und das Ziel dieser langen Entwicklungszeit ist die möglichst grosse Sicherheit für die Patienten/-innen. Sie sollen nicht durch unvorhergesehene Nebenwirkungen einen Schaden erleiden.
      Neue Technologien und/oder Substanzen im Hinblick auf ihre gesundheitliche Relevanz vor der massenhaften Verbreitung mit gleichen Ellen zu messen wie Medikamente, gebietet die medizinische Vernunft. Um die möglichen gesundheitlichen Probleme neuer Entwicklungen zu antizipieren, sind breitangelegte Studien im Sinne einer Gesundheitsverträglichkeitsprüfung indiziert. Vorsorge kann vor gesundheitlichen und wirtschaftlichen Sorgen nach der Einführung der Technologie bewahren.
      In drei Artikeln dieser Nummer werden Betrachtungen aus medizinischer Sicht für den Bereich des Mobilfunks angestellt. Mitarbeiter/-innen des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel (K. Hug und M. Röösli) haben versucht sich einen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zum Thema «Hochfrequente Strahlung und Gesundheit» zu verschaffen und präsentieren die Resultate. Edith Steiner ist Internistin und berichtet über eigene negative Erfahrungen mit elektromagnetischen Feldern. In meinem Beitrag versuche ich die Vorsorge in einen grösseren Zusammenhang zu stellen und Bezüge mit der Politik herzustellen, denn letztlich sind Entscheide für mehr gesundheitliche Vorsorge im gesamtgesellschaftlichen Rahmen politische Entscheide. Wer, wenn nicht wir Ärztinnen und Ärzte, muss sich äussern, wenn es darum geht, die politischen Entscheide für mehr gesundheitliche Vorsorge zu treffen. Unseren Bedenken gegenüber der sorglosen und breitflächigen Einführung der UMTS-Technologie haben wir daher in einer Medienmitteilung und in Briefen an die betroffenen Ämter und Politiker/innen Ausdruck gegeben. Wir scheuen dabei den Kontakt mit andern Organisationen nicht, die sich mit denselben Sorgen plagen.
      Denn, wenn die Vorsorge versagt, sind wir die ersten, denen die betroffenen Menschen ihre Sorgen mitteilen und deren gesundheitliche Probleme wir in unseren Praxen zu diagnostizieren und zu behandeln haben.

Dr. med. Bernhard Aufdereggen,
Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz




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