Ein mythisches Universalmittel gegen Altern und Krankheiten, am besten vom eigenen Leib. Mit dem Armesünderfett und dem Schelmenfleisch ist es vorbei, geblieben ist der Wunsch. Ein Softkannibalismus, der Volksmedizin und moderne Wissenschaft zusammenbringt. Urin ist ein gutes Beispiel, denn in allen Kulturen werden ein bis zwei Gläser Eigenurin täglich empfohlen. Kamelharn gilt im Nahen Osten als besonders wirksam, in China helfen in Knabenurin gekochte Eier. Wenn menschliche Feten im eigenen Urin schwimmen, können lebenslängliche Zugaben nur Gutes bewirken. Auf die Haut aufgetragen verjüngt es den Teint, von Migräne bis zu Arthrose hilft ein Schlückchen des selbst produzierten Wundersaftes, immerhin ein voller Tanklastwagen bis zum Lebensende. Das Labor hat sich der Ausscheidung angenommen. Aus den darin enthaltenen Körperzellen werden Stammzellen gezüchtet, die krankes Gewebe ersetzen sollen. Konkreter wird es beim Harnstoff als Grundsubstanz für Kosmetika, Kunststoffe und Klebemittel. Düngemittel brauchen aus Kläranlagen rezyklierten Phosphor. Urin dient auch als Energiequelle ausserhalb unseres Körpers. Einmal vom Ammoniak getrennt soll daraus gewonnener Wasserstoff das Erdöl ersetzen, Hydrazin aus Harnbakterien wird zum Treibstoff für Raketen.