Fehlende Forschung und unzureichende Versorgung für Patienten mit Myalgischer Enzephalomyelitis, ICD-10 G93.3

Aufgrund der tragischen Leidensgeschichte einer Patientin möchte ich für die Diagnose der ME/CFS sensibilisieren. Nach einer Blinddarm-OP im 9/2017 wurde sie nicht wieder gesund, sondern litt zunehmend unter Erschöpfung nach geringer Anstrengung, Geräuschempfindlichkeit, Schlafstörungen, Halsschmerzen, Schwindel. Nach einem Monat Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Entlassung nach 100 Tagen und nach diversen Therapien (inkl. EKT) mental leicht, aber körperlich völlig am Ende, mit weiteren Symptomen: Muskelschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Gedächtnisstörungen, orthostatische Intoleranz, Schmerzen im Brustraum und im linken Oberbauch. Als Psychiater und Versicherungsgutachter war ich sicher, dass das Leiden nicht psychischer, sondern physischer Natur ist. In einer Odyssee von Arztkonsultationen wurden Auffälligkeiten im Blutbild, Schädel-MRI und endokrinologisch entdeckt; dennoch beschieden alle Fachärzte eine psychische Ursache, niemand kannte sich mit CFS/ME aus. Erst die CFS-Sprechstunde des USZ stellte nach 1½ Jahren Leidensweg endlich die Diagnose «ME/CFS, ICD-10 G93.3» und damit eine organische Ur­sache der Beschwerden fest.