Es ist ein regnerischer Montag, welcher sich langsam dem Ende zuneigt. An der Universitätsstrasse Zürich befinden sich die Eltern der dreijährigen Maya Hefti (Name geändert) im obersten Stock der Uniklinik. Die Ärztin Susanna Lindner hat sie soeben über die Masernimpflücke ihrer Tochter informiert. Die Eltern sind gar nicht gut darauf zu sprechen. Aufgrund ihrer Weltanschauung lehnen sie jegliche Impfungen ab. Auf den Gesichtern der Eltern ist Unverständnis, wenn nicht sogar leichter Zorn zu sehen. Der Vater erklärt ungeduldig, dass ihrem Weltbild nach eine solche Impfung als verpönt angesehen werde. Ein Ausschluss aus der Gesellschaft, soziale Isolation und die Verachtung Gottes wären die Folge für die gesamte Familie. Während der Pause berichtet die Pflegefachfrau mir, Medizinstudentin im ersten Jahr, von einem ähnlichen Fall, der sich vor zwei Jahren ereignet hatte. Die Eltern eines fünfjährigen Jungen hätten sich aus Glaubensgründen geweigert, ihren Sohn impfen zu lassen – was dann aber trotzdem geschehen war. Ein Jahr später sei der Vater Alkoholiker geworden, die Mutter wurde daraufhin in die Psychiatrie eingeliefert. Sie seinen komplett aus dem eigenen sozialen Umfeld ausgeschlossen worden, alle sozialen Kontakte der Familie seien vom einen Tag auf den anderen zunichte gewesen. Der Vater hätte ein Jahr später Suizid begangen. Seither lebte die Mutter mit dem Kind alleine, ihr ginge es immer noch nicht gut.