1. Ganzheitliche Medizin
In ihrem vielbeachteten SÄZ-Editorial zur Frage, ob sich die FMH in umweltpolitischen Themen engagieren soll, spricht die FMH-Präsidentin Yvonne Gilli an, «dass Gesundheitsaspekte in allen Politikbereichen eine Rolle spielen» [1]. Diese Omnipräsenz von Gesundheit und Krankheit – in Umweltfragen, aber auch in wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Fragen – impliziere allerdings nicht, dass «medizinische Evidenz» mit spezifischem Sachwissen in der jeweiligen politischen Frage zu verwechseln sei. Oder in anderen Worten: Das Wissen um die verschiedenen Dimensionen und Faktoren von Gesundheit und Krankheit erlaubt nicht per se eine eindeutige politische Position, weil diese Expertise (wie übrigens im Allgemeinen das meiste Sachwissen auch) verschieden interpretiert werden kann. Darum sei es auch nicht die Aufgabe der FMH, sich umweltpolitisch zu engagieren. Ohne die Frage nach der Gültigkeit dieser Schlussfolgerung aufzuwerfen, fällt das umfassende, ganzheitliche Verständnis von Medizin auf: Politik, die irgendwie mit Gesundheit und Krankheit zu tun hat, ist für die Medizin potenziell interessant, und das betrifft eigentlich «all policies» [1].