Kinder können grausam sein. Headhunter auch. Beiden Gruppen legte Daniel Mojon Porträtfotos vor. Im Falle der Kinder waren es nicht weniger als 118 junge Patienten und Patientinnen der Augenklinik am Kantonsspital St. Gallen zwischen drei und zwölf Jahren, denen der Ophthalmologe Bilder von sechs Zwillingspaaren zeigte und die er fragte, welche der abgebildeten Kinder sie denn am ehesten zu der eigenen Geburtstagsfeier einladen würden. Der Clou des Ganzen: Mojon hatte einigen der Zwillingskinder per digitale Bildverarbeitung einen Strabismus convergens (das Schielen eines Auges nach innen) oder einen Strabismus divergens (das Schielen nach aussen) verpasst. Nicht ganz überraschend für Mojon: Schielende Kinder wurden deutlich seltener zu den (hypothetischen) Geburtstagsfeiern eingeladen. Immerhin: Die Jüngeren im Kollektiv; jene, die sechs Jahre und weniger alt waren, diskriminierten nicht und luden Schieler und Orthophore (Menschen mit Parallelstand der Augen) in gleichem Masse ein. Nicht viel anders verlief Mojons Studie mit Headhuntern. Auch hier arbeitete der Augenarzt mit Porträts, die er per Photoshop verändert hatte. Unter den dabei den Gesichtern zugefügten kosmetischen Besonderheiten war ein Schielen ein stärkeres Hindernis, einen Job zu bekommen, als eine digital der Physiognomie zugefügte Akne oder ein ähnlich virtueller fehlender Schneidezahn.