Wenn Ärzte (und Ärztinnen) schreiben, tun sie es aus dem Fundus selbst erlebter Geschichten, die oft kaum vorstellbar sind und doch wahr in ihrer ganzen Unvorstellbarkeit. Lukas Fierz hat eine Sammlung von Reportagen aus dem Angelpunkt seiner neurologischen Praxis vorgelegt [1], viele sind bestechend in ihrer parabelhaften Dramatik, und seine Obsession ist auf jeder Seite spürbar – sein heiliger Furor im medizinischen Sumpf von Bern-Seldwyla: der Zorn auf Ungerechtigkeiten, die Menschen widerfahren können, auf die Selbstgerechtigkeit von Institutionen und Kollegen, auf die absurde, manchmal heillose Eigenwelt der institutionellen Medizin [2]. (Auch Walter Vogt, ein anderer Rebell, hat darüber geschrieben.)