Die im obigen Titel umschriebene Thematik ist – von Bergdoktoren-Soaps und Schwarzwaldklinik einmal abgesehen – für uns ärztliche Realos alles andere als unproblematisch. Schon vor allen #MeToo-Debatten ist es nämlich stets ethisch fragwürdig gewesen, im medizinischen Umfeld von Eros zu sprechen. Dieser ist in unserem beruflichen Alltag meist zur falschen Zeit am falschen Ort, und das Sprechzimmer gilt für ihn erst recht als kategorische No-Go-Area. Andererseits finden sich in der Erotik die dynamischsten und farbenfrohsten Momente, die wir in unserer oft grau­getünchten Welt erleben dürfen, und so wäre es eigentlich schade oder – wie ich im letzten Abschnitt dieses Aufsatzes erläutern möchte – für die Patienten sogar schädlich, diese uns allen vertraute, zu stetiger Suche drängende Kraft in der Medizin ganz auszuklammern. So werde ich also versuchen, ärztlichen Ethos und Eros doch irgendwie als miteinander verbunden zu betrachten. Dies würde eventuell gelingen, wenn man das sprichwörtlich «ewig Weibliche» über ein konkretes Gegenüber hinaus, als allgemeine, uns zum Vorteil der Kranken anspornende Kraft, verständlich machen könnte. Im Rahmen unserer vertrauten Art zu argumentieren dürfte das allerdings schwierig sein, und so möchte ich drei berühmte Philosophen zu diesem Thema zu Wort kommen lassen.