Das Sentinella-Meldesystem ist von gestern. Was sind schon ein paar Tausend Meldungen und Laborwerte im Vergleich zu Millionen und Abermillionen von verschnupften Menschen weltweit, die ihre Symptome in die Suchmaschine eingeben und damit Google zu einem riesigen Datenschatz verhelfen? Google sah das Potenzial der Gesundheitsdaten und baute einen Dienst auf mit Informationen über die Entwicklung von Grippe-Epidemien. «Google Flu Trends» war zunächst gratis verfügbar, das freute die Forschungswelt. Doch das Glück dauerte nicht lange, denn die Gesundheitsdaten, von Internet-Nutzerinnen und -Nutzern bereitwillig preisgegeben, lassen sich zu Geld machen. So viel Geld, dass es für die Forschenden des Digital Epidemiology Lab an der EPFL in Lausanne zu einem Problem wurde. Sie konnten und wollten sich die teuren Google-Dienste nicht länger leisten. Also nahmen sie einen Umweg, wie EPFL-Professor Marcel Salathé nicht ohne Stolz in seinem Referat erläuterte: Die meisten Google-Links führen nämlich zu Wikipedia, und das wiederum ist öffentlich zugänglich. So können die Forschenden diverse Krankheiten «tracken» und zum Beispiel auch Nebenwirkungen von Medikamenten erfassen. Twitter hat ebenfalls einiges an Datenmaterial zu bieten, denn die Leute reden gerne über ihre Gebresten und teilen der Welt über das Smartphone ihre Meinung zu allem Möglichen mit. Zum Beispiel zwitschern sie, was sie von Impfungen halten, und schon verfügen die digitalen Epidemiologen über Informationen zur Akzeptanz von Impfungen in ausgewählten Ländern.