Pokémon war einmal. 2044 existiert ein perfekter virtueller Raum, der kostenlos zugänglich ist. Auch die reale Welt ist eine Fortsetzung von heute. Regionale Kriege, Hungerrevolten, Migration, Energiekriesen. Mächtige Konzerne und Superreiche kontrollieren die verarmte Bevölkerung. OASIS (Ontologically Anthropocentric Sensory Immersive Stimulation) bietet einen Ausstieg aus der Misere. Der verstorbene Schöpfer dieser grenzenlosen Parallelwelt hinterlässt ein riesiges Vermögen und alle Quellcodes des Imperiums dem Gewinner einer abenteuerlichen Schatzsuche im Reich der Avatare. Dazu braucht es eine Immersionsausrüstung, eine massgefertigte Konsole und einen anpassbaren haptischen Stuhl, um dort eine Schule zu besuchen, in die Kirche zu gehen oder auf zahllosen Planeten spannende Abenteuer zu erleben. Die fantasievollen Handlungen gründen ausnahmslos in der amerikanisch-japanischen Pop- und Trashkultur der letzten dreissig Jahre. Es wimmelt von Querbezügen zur SF- und Fantasyliteratur, zu Computern, Spielautomaten und Musikbands. Nur wer sich darin lückenlos auskennt, hat eine Chance die versteckten Hinweise zu verstehen und die zahlreichen Monster und Roboter zu besiegen. Im Schattenreich der unbeschränkten Halluzinationen wird andauernd mit allen magischen und technischen Waffen gekämpft. Wie schon heute kann man diese unentbehrlichen Hilfsmittel als Trophäen einsammeln oder für teures Geld erstehen. Die erzählende Hauptfigur kommt aus einem ärmlichen Trailerpark am Rande einer Grossstadt, wo er seine Jugendjahre mit Videospielen, versteckt in einem Berg abgewrackter Automobile, verbringt. Soweit ist, bis auf die fortgeschrittene Illusionsmaschinerie, alles schon vertraut. Dass die imponierenden Avatare mörderische Gefechte überleben, um am Ende als übergewichtige Nerds sich händchenhaltend in der realen Welt zu küssen, gehört zur ironischen Schlusspointe.