Meine erste Begegnung mit Dr. med. Martin Vosseler liegt bald vierzig Jahre zurück. Er war eben aus einem Postdoc-Aufenthalt in den USA zurückgekehrt und hat uns Medizinstudenten in einem Hörsaal des Universitätsspitals über die atomare Bedrohung und die Folgen eines Atomschlags für die Menschen erzählt. Sein Tutor in den USA, Prof. Dr. med. B. Lown, hatte ihn für die Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) gewonnen, und er hat dieses «Feuer» in die Schweiz gebracht. Seine Überzeugungskraft, sein inneres Leuchten hat uns mitgerissen. Zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen hat er die Schweizer Sektion der IPPNW 1982 gegründet. Auf Friedenskongressen in Montreal, im Hotel Rossija in Moskau haben sich mit ihm mitten im Kalten Krieg tausende Ärztinnen und Ärzte für die Abschaffung der Atomwaffen eingesetzt und 1985 dafür den Friedensnobelpreis erhalten. Wir konnten gemeinsam mit dem Schiff im kalten Winter nach Oslo reisen und für die Schweizer Sektion den Nobelpreis vom norwegischen König empfangen. Bei einer Nobelvorlesung der IPPNW-Co-Präsidenten Evgeny Chasow und Bernard Lown an der Universität Oslo war die Stimmung angespannt. Plötzlich erlitt ein russischer TV-Journalist einen Herzstillstand, und die beiden Kardiologen Chasow und Lown konnten ihn erfolgreich reanimieren. Weltweit wurde dieses Ereignis als Zeichen für die Annäherung von Russland und den USA und die atomare Abrüstung wahrgenommen.