«Die Sprache der Physik ist die Mathematik», sagte ein leitender Theoretiker des CERN anlässlich eines Vor­trags vor Philosophen. Man kann diese Aussage erweitern: Mathematik ist das Gerüst naturwissenschaftlichen Denkens. Die ersten grossen Physiker und Astrologen der Neuzeit glaubten, dass Gott ihnen durch die Mathematik einen Einblick in seinen Schöpfungsplan gebe. Die Mathematik hat der Physik, den Natur- und später den Biowissenschaften eine Methode in die Hand gegeben, die auch dann noch immer erfolgreicher wurde, als Gott längst nicht mehr im ­Gespräch war. Sie ist im Begriff des Reduktionismus zusammengefasst, was freilich das ihr inhärente Pro­blem schon andeutet: Es handelt sich um eine reduzierte Sicht auf die Natur. Die Mathematik definiert das ­Wesen des untersuchten Gegenstands durch seine Allgemeinheit und seine Manipulierbarkeit, denn nur so wird er messbar. Seine Allgemeinheit bedeutet, dass er von jeder Partikularität abstrahierbar sein muss, und seine Manipulierbarkeit, dass er zum Funktionsträger innerhalb eines Systems wird, das experimentell prüfbar und dem eine Theorie hinterlegt ist. Auch in der Biologie hat das nicht Messbare kaum Relevanz.