Nie war mir Eichendorffs spätromantisches Gedicht über das Wort als zauberkräftige «Wünschelrute» (so der Titel) näher als neulich in der mittäglichen Essensschlange meiner Kantine. «Food Waste» hiess es, das Zauberwort. Schräg und frech an die Beschreibung des Tagesgerichts geklebt. Was das denn genau meinen solle, wagte ich die freundlichen, aber natürlich vom Schöpfen schon ziemlich erschöpften Angestellten zu fragen. Das sei eben im Rahmen einer Nachhaltigkeitsaktion. Ich vermute, sie wussten es selber nicht. Was kann das einsame Wort «Food Waste» an einer Menü­beschreibung genau bedeuten? Dass das Essen gestern schon einmal angeboten und nicht verkauft wurde? Dass es aus Zutaten stammt, die sonst weggeworfen worden wären? Dass wir alle ganz brav unseren Teller leer essen sollten? Ich nehme nicht an, dass das Essen aus den Hinterlassenschaften der Kunden bestand, die dieser Aufforderung gestern nicht gefolgt waren. Ehrlich gesagt weiss ich bis heute und nach eingehender Recherche auf der Aktions-Website keine Antwort auf meine Frage. Erst später wurde mir klar: Mein Fehler bestand offensichtlich darin, überhaupt zu fragen. Ich hatte nicht verstanden, dass es sich um ein Zauberwort handelte. Zauberwörter sollen ein Lied wecken und keine Nachfragen. Gerade ich als gebürtiger Schwabe, der das Tellerleeressen als Eigenwert verinnerlicht hat, hätte das wissen müssen.