Die roboterisierte Verarbeitung medizinischer Bilddaten leistet weit mehr als die bisher verwendeten computerassistierten Auswerteprogramme. Die in der bildgebenden Diagnostik immer häufiger eingesetzte Software wie Radiomics & Co. extrahiert und verarbeitet nicht nur eine grosse Zahl quantitativer Parameter aus den Volumendatensätzen von Computer- (CT), Magnetresonanz- (MRT), Positronen-Emissionstomographien (PET) und der entsprechenden Hybriddiagnostik. Die Anwendungen speisen die gewonnenen Informationen zudem in eine riesige fächerübergreifende Datenbank ein und gleichen sie mit anderen radiologischen sowie klinischen, genetischen, laborchemischen und histologischen Daten ab. Die neuen Softwares messen nicht nur beispielsweise Durchmesser und Dichte, sondern beurteilen auch die Konturen und die Umgebung von Läsionen, ermitteln die Zahl gleichartiger Befunde in Organen und definieren Volumina. Mit ihrer Hilfe werden vaskuläre Malformationen identifiziert, Rundherde der Lunge klassifiziert und strukturierte Verlaufskontrollen durchgeführt. Die Rechner registrieren und analysieren innerhalb einer Läsion Unterschiede der Textur, die vom menschlichen Auge nicht erkannt werden können, und ordnen sie den verschiedenen Stadien der Entwicklung und Ausbreitung einer Erkrankung zu, die sie aus ihrem Speicher kennen. Die digitalen Riesen arbeiten blitzschnell, werden nie müde und sind den Resultaten vergleichender Untersuchungen zufolge der humanen Konkurrenz vor allem in der Tumordiagnostik bereits jetzt überlegen. Die Anwendungen könnten auch als Portal der Qualitätskontrolle ins Netz gestellt und dort von jedermann jederzeit in Anspruch genommen werden. Dazu müssten die Klienten nur ihre z.B. auf CD/DVD gespeicherten Bilddaten an den Dienstleister übermitteln. Allerdings werden sie detaillierte Angaben zu ihrer Krankheit und deren Vorgeschichte preisgeben müssen, damit der Computer das treffende Schubfach in seiner Datenvorratskammer öffnet, und sie müssen sich ausserdem damit abfinden, dass sie einen Befundbericht erhalten, der nicht von einem dafür verantwortlichen Arzt abgezeichnet ist. Bei Unklarheiten und Differenzen ist keine Rücksprache möglich. Dieser formale Mangel mindert den Wert der auf künstlicher Intelligenz fussenden Beurteilung beträchtlich. Von individualisierter Medizin haben Patienten eine andere Vorstellung.