Wie verunsichere ich meine Patienten?
Dies kann in mehreren Stufen geschehen und beginnt meist mit der Unsicherheit des Arztes oder der Ärztin. Ergeben Anamnese und erste Befunde wie häufig nur ein vages Bild, kann zwar eine gravierende Erkrankung weitgehend, aber eben nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Früher war die ärztliche Beurteilung am Schluss eines Patienten-Gesprächs gültig und eine Zeitlang wegweisend. Heute wird bereits üblich der Goldstandard im MRI und CT gesucht. Das geht so: Der Patient glaubt die Unsicherheit des Arztes zu spüren, möchte Gewissheit. Die Ärztin wiederum möchte nichts verpassen und verordnet Labor, CT und MRI. Dies ergibt leider in den meisten Fällen kaum eine klare Diagnose. Vielmehr bringen die Untersuchungsbefunde häufig Resultate hervor, zu denen der Patient gar keine Beschwerden angegeben hat. Nun wird der Arzt selber noch unsicherer, weil er sich die Frage stellt, ob die neuen Apparate-Befunde ohne Beschwerden beim Patienten wichtig sind oder nicht. Sucht er jetzt damit das Gespräch mit dem Patienten, der mit diesen Befunden ohne Beschwerden gar nichts anfangen kann, löst er eine grosse Verunsicherung aus. Die Folgen sind jetzt häufig Arztwechsel, regelmässige Kontrollen und die Überwachung von Befunden, meist mit grossem Aufwand und fraglichem Nutzen. Gibt es gute Studien, die die Frage beantworten, wie häufig eine relevante Krankheit diagnostiziert wurde, ohne dass der Patient Beschwerden hatte? Gibt es gute Hinweise, dass die Therapie dann einen Krankheitsverlauf wesentlich zum Bessern gewandelt hat?