Wird in der Coronakrise das Älterwerden zu einer Krankheit?
Die Diskussion um die aktuelle Coronakrise umfasst nebst den Fragen nach der Morbidität, der Letalität, den gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Folgeschädigungen, der möglichen Dekompensation des Gesundheitswesens auch die Frage nach der Gesamtmortalität. Das Ausmass der zu treffenden Gegenmassnahmen hängt von der Virulenz des Angreifers einerseits, von der Resistenz des Schädigungsträgers anderseits ab. In Zeiten einer grossen Verunsicherung über das mögliche Ungleichgewicht zwischen Angriff und Abwehr wird letztere mit möglichst vielen Schutzmassnahmen aufgebaut, die den gewohnten Alltag volkswirtschaftlich und sozial folgenschwer einschränken. Es ist nachvollziehbar, dass bei unklarer Virulenz diesbezüglich alles unternommen wird, was möglich ist. Dazu gehört der weitgehend vollständige Schutz von Risikogruppen. Dass Personen mit Vorerkrankungen weit mehr gefährdet sind als Gesunde, ist sicher unbestritten. Wenn aber das Lebensalter als Kriterium der Schutzbedürftigkeit zur systematischen Quarantänisierung führen soll, muss dies klar begründet sein.