Dr. Carnevale konnte sich für den eigenen Nachnamen nie so richtig erwärmen. Das hatte durchaus nachvollziehbare Gründe: In seinen Berner Jugendjahren gab es keine nennenswerte Fasnacht, zum Basler Morgenstreich wäre er wohl stets zu spät gekommen, und «Drei rüüdige Tage» in Luzern endeten kläglich im äthyltoxischen Filmriss. Schlussendlich vergällten ihm dann die notorisch rezidivierenden Tessiner Karnevalsprügeleien die allerletzte Lust auf närrische Maskeraden. Im nachfolgenden Berufsleben kam er aber dennoch ums Mund-Nase-Schützen nicht herum: so etwa als chirurgischer Hakenhalter oder in der roten Phase der Schweinegrippehysterie. Selbst im täg­lichen Umgang mit Mitarbeitenden, Patientinnen und Patienten hatte er manchmal das Gefühl, eine Art Maske zu tragen. Diese kaschierte zwar nicht seine Gesichtszüge, aber sein jeweiliges Missbehagen angesichts der Rolle, in die ihn die praxislogischen Arbeitsverhältnisse zwängten: die des selbstsicheren Chefs oder jene des immer aufgestellten Ansprechpartners für Erkrankte und deren Angehörige. Solche Masken liessen sich nicht so einfach wieder ablegen. Dr. Carnevale spürte, dass sie allmählich zum festen Bestandteil des eigenen Ichs wurden und angestammte Inhalte seines Seins damit in den Hintergrund drängten.