Symbole, die Befindlichkeiten ausdrücken und aus unserem Alltag beinahe nicht mehr wegzudenken sind: Emoticons.
Wenn angehende Mediziner und Medizinerinnen beim Blick ins Mikroskop oder auf den Schirm des Ultraschallgeräts gar nichts sehen, so liegt das – glücklicherweise – keineswegs an einer pandemischen Retrobulbärneuritis, sondern an fehlenden wissensmässigen Orientierungspunkten. Erst durch unsere eigene geistige Leistung werden nämlich scheinbar zufällige Farbtupfen zum histologischen Präparat und ein chaotisches Geflimmer zum sonographischen Schnappschuss. Mit anderen Worten: Um dem ungeordneten Fluss sinnlicher Eindrücke Gestalt und Sinn abzugewinnen, müssen wir diesen erst einmal in unser eigenes Denken zwingen. Dazu benützen wir ein angelerntes Geflecht von Zeichen und Symbolen, die auf etwas Bestimmtes hindeuten beziehungsweise einen dahinterliegenden pathologischen Zusammenhang erschliessen. So steht dann eben eine unregelmässige Struktur für potenziel­le Malignität, und ein Schallschatten wird zum Emblem des Gallensteinleidens. Aus einer ganzen Fülle klinisch relevanter Wegmarken schaffen wir uns schlussendlich ein eigenes Bild der Menschen, die wir in der Sprechstunde vor uns haben. Die Letzteren werde­n damit gewissermassen zu Objektivierungen des berufswissenschaftlichen Denkens. Das mag zwar etwas einseitig und befremdlich erscheinen, macht aber durchaus Sinn: Es fördert nämlich den direkten Zugang zur schulmedizinischen Betreuung unserer Patien­ten.