Blaulicht, Sirenen und ein Abschiedsbrief. Ein 14-jähriges Mädchen wird mit reduziertem Allgemeinzustand, Benommenheit und einer Medikamentenintoxikation in die Notaufnahme des Kinderspitals eingeliefert. Trotz Schläfrigkeit sagt sie mit bestimmter Stimme: «Lasst mich sterben.» Als das Mädchen aufgefunden wurde, waren haufenweise Medikamente in ihrer Tasche enthalten. Pflegefachkräfte, Ärztinnen und Ärzte versammeln sich im Behandlungszimmer. Das Standardprozedere bei Vergiftungen wird eingeleitet, es werden Telefonate mit dem Tox-Zentrum geführt, ­Zugänge gelegt, die panischen Eltern empfangen und über die Situation aufgeklärt. Doch immer wieder zwischendurch ihre leise Stimme: «Ich will sterben. Hört auf, euch um mich zu sorgen!» Die Laborwerte sind da. Zusammen mit den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung sehen die Umstände nicht gut aus. Es werden abnormale Herz- und Atemgeräusche festgestellt, ihr Puls ist stark erhöht, und das Blutbild weist bereits auf eine potenzielle Leberschädigung hin. Trotz ihrer wiederholten Bitte, alle Massnahmen zu unterlassen, lautet das Vorgehen: Gabe eines Antidots und eine Gastroduodenoskopie mit Magenspülung, um die verbleibenden Reste der Medikamente zu entfernen. Zusätzlich wird intra- und postoperativ in regelmässigen Abständen Aktivkohle verabreicht, damit weitere Schadstoffe gebunden werden können.