Dott.ssa Frottola – zu Deutsch: Frau Dr. Flunkerer – hatte ihr eigenes Verhältnis zum Begriff der Wahrheit. Sie war nämlich eine mitfühlende Ärztin, die schon mal ein Auge zudrückte und für das Patientenwohl eine Fünf gerade sein liess. Diese pragmatische Arbeitsweise war aber keine oberflächliche Absage an medizinische Gesetzmässigkeiten oder deontologische Normen. Ihre empathische Flunkerei war vielmehr ein engagierter Versuch, den fachlichen Dogmen anspruchslosere, menschlich interpretierbare Gewissheiten entgegenzustellen. Diese wurden der zusammengewürfelten Patientenschar am ehesten gerecht und liessen Dott.ssa Frottola die nötige Freiheit, die ärztliche Kunst lebensnah auszuüben.