Trotz der vielschichtigen Aspekte, die unser Berufs­leben mit sich bringt, verstehen wir Ärzte und Ärztinnen uns doch in erster Linie als Wissenschaftler. Im Allgemeinen sind wir aber weder theoretische Grübler noch Herumexperimentierer zum Selbstzweck. Die medizinische Forschung und die Erschliessung neuer technischer oder pharmakologischer Optionen sind vorab auf praktische Probleme ausgerichtet: auf Prävention und Behandlung gängiger Leiden und Gebrechen. Eine verbesserte Einsicht in physiologische und pathologische Zusammenhänge nährt bei Arzt und Patient aber auch ein zuversichtliches Sicherheitsgefühl, den Launen der Natur nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Die blosse Verfügbarkeit der wissenschaftlichen Medizin kann somit bereits therapeutische Züge aufweisen, im Sinne eines breit wirksamen Anxioly­tikums. Die unseren Patienten vermittelte Kenntnis der aktuellen kurativen und palliativen Möglichkeiten erleichtert diesen nämlich nicht nur den Umgang mit einer spezifischen Krankheit, sondern vermag auch ganz allgemein die notorischen Hemmnisse allen Lebensglücks, wie die Angst vor Autonomieverlust, vorzeitigem Tod oder unerträg­lichem Schmerz, zu vermindern oder gar zu beseitigen. Mit dem angemessen aufgeklärten Patienten meistern wir Ärzte und Ärztinnen dann auch den oftmals heiklen