Feminisierung

Unter dem Begriff «Feminisierung der Medizin» verstecken sich unterschiedliche Aussagen und Besorgnisse: Der Frauenanteil in der Medizin nimmt zu, ­damit aber auch der Anteil an Teilzeitbeschäftigten, Aussteigerinnen und Ärztinnen, die sich keine höhere Führungsfunktion vorstellen oder leisten können. Wichtige Ressourcen für Patienten und Patientinnen, Spitäler, aber auch das Gesundheitssystem insgesamt, bleiben damit ungenutzt. Aber auch individuelle Möglichkeiten, Qualitäten und Talente werden nicht ausgeschöpft. Während auf der einen Seite in dunklen Tönen ausgemalt wird, dass die sogenannte Feminisierung zu einer Statusminderung des ärztlichen Berufes führen wird, zeigen neue Studien, dass Patientinnen und Pa­tien­t­e­n von Ärztinnen profitieren, weil sich diese im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen enger an Guidelines halten und besser kommunizieren würden. Wie eine neue Analyse (JAMA Internal Medicine 2016) zeigt, hatten Patientinnen und Patienten, die von einer Frau behandelt wurden, ein 4 Prozent tieferes (relatives) Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach Spitaleintritt zu sterben, und ein 5 Prozent kleineres Risiko, in dieser Zeit erneut hospitalisiert zu werden. Anders ausgedrückt, hätten 233 bzw. 182 Patienten von einer Frau statt einem Mann behandelt werden müssen, um einem vorzeitigen Todesfall bzw. einer Rehospitalisierung zu entgehen. Dieser Zusammenhang war bei acht häufigen Krankheiten und verschiedenen Schweregraden der Erkrankung nachweisbar.