Wie lässt sich eine Pflanze möglichst lebensecht abbilden? Diese Frage stellte sich der Erfurter Professor für Anatomie, Chirurgie und Botanik Johann Hieronymus Kniphof (1704–1763). Als Antwort publizierte er das «Herbarium vivum», ein lebendiges Herbar also. Natürlich lebte dieses Pflanzenbuch nicht, und dennoch kam der Autor dem Anliegen möglichst lebensechter Bilder ausgesprochen nahe. Das Gesamtwerk besteht aus zwölf «Centurien», die Kniphof je mit hundert Pflanzen bestückte. Unter diesen 1200 Blumen, Baum- und Strauchteilen, Kräutern und Gräsern stösst man im neunten Centurion auf eine Bitterorange, dargestellt mit Blättern, Blüten und sogar einer jungen Frucht. Trotz der starken Kolorierung ist die Oberflächenstruktur der Schale noch zu erkennen – ein wahres Kunstwerk, ein Ebenbild der ursprünglichen Frucht.