Als mir einmal ein ostafrikanischer Arzt vorhielt, wir hätten in Europa kein Verantwortungsgefühl, war ich verdutzt. Wenige Tage zuvor war im Krankenhaus, in welchem wir beide tätig waren, ein junger Knabe verstorben, weil er in falscher Liegeposition war und ihm zu grosse Mengen Brei verabreicht worden sind. Dieser Tod hätte problemlos vermieden werden können, vor allem deshalb, weil bereits die vorletzte Verpflegung via Magensonde in die Lungen geflossen war und er nur mit Mühe vor dem Ersticken bewahrt werden konnte. Die Belehrungen seitens einer holländischen Ärztin hatten jedoch nichts gefruchtet: Am darauffolgenden Morgen wurde derselbe Fehler noch einmal begangen, und der Knabe verstarb. Dies ist nur ein Beispiel von mehreren Todesfällen, welche in diesem Krankenhaus mit etwas Aufmerksamkeit und einfachen Mitteln hätten vermieden werden können. Für die allermeisten dort tätigen Menschen liegt das menschliche Leben in Gottes-, nicht in Menschenhand. Man stirbt, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Im erwähnten Fall des verstorbenen Knaben hatte die tansanische Pflegerin ihre Tätigkeit so ausgeführt, wie sie es gelernt hatte. Sie sah keine Notwendigkeit darin, dies zu ändern, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen.