Die offizielle Führung beginnt mit einer Besichtigung der neobyzantinischen St. Sava Kathedrale. Aussen ist der Bau abgeschlossen, im Inneren wird seit achtzig Jahren mit Unterbrüchen gebaut. Die Zäsuren stehen für Kriege und Fremdherrschaft. Vorübergehend Munitionsdepot der Wehrmacht, dann Zirkushalle, bis Putins Gazprom das Mosaik der Kuppel finanzierte. Neu-Belgrad besteht aus riesigen Wohnblöcken auf dem ehemaligen Sumpfgebiet links der Save. Tito hat hier die Staatsführer der Blockfreien zusammengerufen. Verstopfte Strassen unter einem grauen Himmel. Vor dem Parlament ein langes, weisses Banner mit Fotos meist junger Männer: «Opfer albanischer Terroristen und der NATO Aggression.» Deutsche, Israelis und Saudis bauen beidseits der Save. Die ausgebrannten Ruinen des Kriegsministeriums bleiben wie ein Mahnmal unverändert. Obligat ist ein Besuch der Festung über dem Zusammenfluss von Save und Donau. Stets Grenze zum Balkan, Frontlinie, europäische Randzone. Im Festungsgraben rostet das Kriegsgerät mehrerer Generationen. Eine Rakete soll ein NATO-Flugzeug abgeschossen haben. Neu neben alt, Mythen und Fakten, alte und neue Wunden, offene Rechnungen, Traumland. Serbien, Fata Morgana eines vermeintlich dritten Weges und Kulisse einiger Karl May-Filme Filme. Man kann eine Stadt nur als Fussgänger lesen. Je weiter die Reise geht, desto mehr drückt die hässliche Zeit des Ostblocks durch die Kulissen.