Das Problem der Kausalität, das Aufsuchen von Ursache und Wirkung, spielt im Gesundheitsbereich eine besonders wichtige Rolle. Die spezifisch ärztliche Aufgabe der Therapie, als möglichst gründliche Korrektur von pathologischen körperlichen Zuständen und Störungen innerer Abläufe, erfordert notwendigerweise neben der Diagnose, das heisst dem Erkennen und Benennen der verschiedenen Krankheiten, auch die Erforschung der zutreffenden Ursache. Im praktischen Alltag werden der Arzt und die Ärztin selten auf die letzten Gründe des gerade zu behandelnden Leidens stossen, und dies ist auch nicht wirklich notwendig, denn das Abschätzen der Wahrscheinlichkeit verschiedener in Frage kommender Arbeitshypothesen, der sogenannten Differentialdiagnosen, reicht in der Regel aus, um zum Vorteil des Patienten aktiv zu werden. Das persönliche Gefühl, ursächlich zu behandeln, zum Beispiel bei der Verschreibung eines antibakteriellen Wirkstoffs bei bekannter Resistenzlage, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man damit dem Begriff der Kausalität in strengem Sinne noch lange nicht gerecht wird. So können nachgewiesene Bakterienstämme bei einer Lungenentzündung durchaus eine Verunreinigung durch die Rachenflora darstellen, und es besteht immer die Möglichkeit, dass eine andere, vielleicht allergisch oder autoimmun bedingte Erkrankung der Atemwege vorliegt.