Es gilt unter Experten heute als erkannt, dass eine zu schnelle medikamentöse ­Behandlung psychischer Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen bei leichter Erkrankung zu einer Chronifizierung, im schlimmsten Fall zu einer Inva­lidisierung der Patienten führen kann, was neben vermeidbarem Leid auch zu vermeidbaren Kosten führt. Umso mehr erstaunt es, dass ausgerechnet die Wirtschaftlichkeitsverfahren von santésuisse diese Fehlentwicklung fördern. Wie der Artikel an einem besonders deutlichen Beispiel aufzeigt, bleibt den behandelnden Ärzten oft nur ein solches Verhalten, um ihre Durchschnittskosten so zu halten, dass sie in der Statistik nicht als auffällig erscheinen. Trotz vorgängig eingeholter und von den Versicherern bewilligter Kostengutsprachen werden Ärzte, die psychotherapeutische Massnahmen sinnvoll anwenden und Psychopharmaka nur dort, wo sie tatsächlich angezeigt sind, dafür belangt und zum Zahlen von Vergleichen gedrängt. Die Verbindung der psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzte der Schweiz FMPP hat das Problem erkannt, setzt sich gegenüber santésuisse aber nicht durch.