Tun und verstehen, was man tut
Schon ein oberflächlicher Blick in die Curricula der Medizin, der Pflege, der Hebammenkunde oder der Physiotherapie etc. belegt, dass nebst den Fächern, die für das professionelle Handeln «instrumentell» – und deswegen auch unverzichtbar – sind, auch andere Disziplinen den klassischen Fächerkanon heute prägen: die Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften im Gesundheitswesen (GHS). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für das Verständnis dieses Handelns, decken Zusammenhänge in der Entwicklung professioneller Identität [1] sowie grundlegende ethische und rechtliche Orientierungen therapeutischen Handelns auf. Sie bieten Einblicke in das Erleben und Verarbeiten von Krankheit aus der Perspektive der Psychologie, der Philosophie, der Literatur oder der bildenden Künste [2]. Seit gut vier Jahrzehnten bezeichnet der Mantelbegriff der «Medical Humanities» die Bemühung, den Beitrag dieser Disziplinen besser zu verstehen [3, 4]. Hinreichend belegt ist aber, dass bei der Integration dieses Wissens in Studium und Praxis auch konzeptuelle und praktische Herausforderungen bestehen [5–8].