An die erste Patientin mit dieser ganz speziellen Sym­ptomatik erinnert sich Professor Josef Flammer noch genau. Es war Anfang der 1980er Jahre, und Flammer war Assistent an der Universitätsaugenklinik in Bern: «Sie war Mitte Vierzig und hatte ein Normaldruckglaukom. Besonders auffallend: Sie hatte sehr kalte Extremitäten, und wir begannen uns zu fragen, ob es ­einen Zusammenhang mit dem Augenbefund gab. Wir fanden bei einer Spezialuntersuchung ihrer Hände, einer Kapillarmikroskopie bei den angio­logischen Kollegen, schnell heraus, dass sie unter sogenannten Vasospasmen litt: Die kleinen Blutgefäs­se in der Peripherie – das können die Finger sein oder auch das Ohr, das Auge – krampfen sich als Reaktion auf einen Stimulus wie Kälte oder Stress regelrecht zusammen.»