Die Leiterin unseres Hospizdienstes fragte mich, ob ich zu einer Frau schauen könne, die im Endstadium eines Lungenkrebses mit Metastasen ihre letzten Tage in einem Altersheim verbringe. Ich wusste nicht, wie viel Zeit ich für den Weg in die Gemeinde unweit von uns benötige, und so stand ich am nächsten Tag, etwas früher als angegeben, vor einem stattlichen, dreistöckigen, schönen, alten, solitären Haus und hatte genug Zeit zu sinnieren, wozu es früher dienen konnte. Gebaut noch in einer Zeit ohne Hotels und Fabriken, war es für ein Patrizierhaus zu schlicht und für eine Schule dieses Dorfes, falls es sie damals überhaupt schon gab, zu gross. Nachdem ich durch den alten, einfachen Eingang ins Haus kam, wurde ich nicht schlauer. Niemand war da, und so suchte ich alleine das Zimmer der Patientin. Ich ging neben vielen alten Türen mit den Namen der Bewohner dieser offensichtlich kleinen Räume, die als Schulklassen sicher ungeeignet waren. Im letzten Zimmer im obersten Stock sass die Frau auf dem Bettrand mit einer aufgesetzten Sauerstoffbrille. Im Vorraum summte der Apparat für die Anreicherung des Sauerstoffs. Sie hatte Besuch von einer Freundin, die sich aber bald verabschiedete.