Das Feld der unbegrenzten digitalen Anwendungen hat auch längst die Geisteswissenschaften erfasst. Die Computer-Linguistik analysiert und beschreibt digitalisierte Texte mit Hilfe rechnerischer Programme. Das sieht dann etwa so aus, wie in einer grossen Tageszeitung beschrieben, wo unter dem Titel Entschlüsselung die Kriminalromane von Friedrich Glauser (1896–1938) und Friedrich Dürrenmatt (1921–1990) numerisch verglichen werden. Die Ergebnisse sind umwerfend, wenn die Software zum Beispiel Wörter auszählt und für den Wortschatz eine Differenz von 11,4% errechnet oder bei Dürrenmatt weder Früchte noch Gemüse findet. Die maschinelle Sprachverarbeitung der Universität Stuttgart zählt die häufigsten Adjektive, Nomen und längsten Sätze, was Rückschlüsse auf den Alkoholkonsum von Wachtmeister Studer und Kommissär Barlach erlaubt. Datenanalysen können gemäss Autoren des Artikels den Stand der Forschung bekräftigen und seien spannender als die herkömmlichen Trampelpfade. Mittels Makroanalysen können Stilähnlichkeiten ganzer Epochen gemessen werden, denn jenseits der Textoberfläche, wie sie der banale Leser entziffert, werden Verteilungsdiagramme sichtbar gemacht, die endlich die Philologie zur exakten Wissenschaft erheben.