Die Zukunft der Versorgungsforschung?

Im Artikel «Beratungsresistente Ärzte» in der NZZ vom 11. Januar 2017 zitiert Alain Niederer Prof. Thomas Rosemann, der postuliert, Studien mit Krankenkassen­daten seien die Zukunft der Versorgungsforschung. ­Rosemann fordert: «Die Ärzte sollten sich dieser Möglichkeit nicht verschliessen». Prof. Rosemann spricht hier allerdings von derselben Datenbasis, welche die santésuisse auch zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Ärztinnen und Ärzte verwendet und die einen Abdeckungsgrad von 60% und eine zweifelhafte Qualität hat. So hat der VEMS im Sommer 2016 aufgedeckt, dass darin eine Praxis mit rund 50 000 Patienten und rund 30 000 Behandlungen erfasst war. Dieser Ausreis­ser hat dazu geführt, dass irrtümlich zusätzliche 14% der Ärzte der betreffenden Vergleichsgruppe als auf­fällig erschienen. Einer davon hat sich an den VEMS ­gewandt, und wir konnten die statistischen Grund­lagen liefern, die santésuisse zur Aufgabe des Ver­fahrens zwangen. Wären die Kosten des betreffenden Arztes indes mit klinischen Patientendaten bereinigt worden, so hätte sich gezeigt, dass sie medizinisch ­begründet waren. Solche Fehler sind keine Einzelfälle, sondern systemgegeben, weil die Datenbasis von santésuisse klinisch nicht bereinigt ist. Wenn sich Mediziner gegen Fehlbeurteilungen von Versorgungssituationen durch Studien wehren, die sich auf solche Daten stützen, dann weil sie aufgrund ihrer Praxiserfahrung deren Gefahren für die Patienten sehen.