Die Einführung der Jagd auf Fortbildungscredits bedeutete eine Zäsur. Pilgerfahrten aus der Provinz an die Alma mater für lausige 1,5 Credits wurden gestrichen mangels Ausbeute. Lukrativ hingegen wurden viertägige Praxisferien zum Besuch eines teuren Fortbildungsblocks, einer wässrigen Suppe mit eingestreuten Häppchen. Auch Kongressbesuche erwiesen sich als rentabel, da stets luxuriös ausgestattet mit Credits. Das tatsächlich benötigte Wissen für den Praxisalltag beschaffte man sich aus Online-Journals, nicht honoriertem Selbststudium. Die Entdeckung des Homeoffice dank Pandemie hat alles umgekrempelt. Online-Fortbildungen schossen wie Pilze aus dem Boden. Plötzlich gab es während des Essens auf dem Laptop klinische Rounds, Vorträge im Kopfhörer beim Biken, offline repetierbar während abendlichen Bürokrams. Es ergab sich sogar der Luxus, nichtssagendes Gelaber abzustellen unter Verzicht auf die Credits – was niemand tut, der dafür zwei Stunden Zug gefahren ist. Fortbildungsstunden und -qualität haben sich vervielfacht. Logisch und vorhersehbar, dass sich Vertreter der Fachgesellschaften ärgern, dass der creditsgetriebene Pflichtbesuch ihrer Kongresse fürs Fussvolk hinfällig geworden ist. Ballerinas möchten nun mal vor klatschendem Publikum tanzen. Deswegen schreibt die SGAIM reaktionär wieder obligates physisches Erscheinen in einer Metropolregion vor – andere Fachgesellschaften werden vorhersehbar folgen. Letztendlich beinhaltet das Wort «Fortbildung» doch «Fortgehen»?!