Beim Etikett «Art Brut» (franz. rohe, ungeschliffene Kunst) beginnen die Definitionen allesamt mit negativen Kriterien: Die Künstlerinnen und Künstler haben keine akademische Ausbildung. Sie besitzen weder das Diplom einer Kunsthochschule noch die Auszeichnung einer staatlichen Kulturförderung. Sie gehören keiner stilbildenden Künstlervereinigung an. Sie bleiben gesellschaftlich erfolglos und leben in psychiatrischen Kliniken, Gefängnissen oder Heimen. Ihre Kunst ist ungehobelt und unverständlich. Und doch: Die Werke der «Art Brut» fesseln uns. Die Faszination dieser Werke lebt von ihrer Unmittelbarkeit und ihrer ungeschliffenen Originalität. Ich erlebe diese Kunst so ähnlich wie in der Küche den frisch gepflückten Bärlauch im Frühling und die Walderdbeeren im Sommer.