Sie wusste bereits nicht mehr, wo sie das Geschirr in der eigenen Wohnung versorgen musste, als sie ihren Entscheid fällte. Mit diesen Worten beginnt Heiner (83, Name geändert) mir von seiner Frau Rose (Name ebenfalls geändert) zu erzählen, die vor sechs Jahren, nachdem sie die Diagnose Alzheimer erhalten hatte, mithilfe von Exit aus dem Leben schied. Tränen glänzen in seinen hellblauen Augen und er sieht mich traurig an. Er erinnert sich an den Tag des Abschieds, als wäre es gestern gewesen. Auf der Terrasse bei schönem Wetter noch einen letzten Moment des Zusammenseins geniessen, bevor alles in ein endloses Schwarz getaucht würde. Ich erfahre, dass man Rose anschliessend gleich mitgenommen hatte. Da, wo gerade noch Leben war, Berührungen, Zärtlichkeiten und Worte, die man sich für diesen Moment zurechtgelegt hatte, breitete sich nun eine bleierne Stille aus. Auch zwischen uns ist ein Moment des Schweigens getreten, in dem Heiner einen Schluck aus seinem Glas trinkt. Mir wird bewusst, wie sehr er unter diesem auch für sein Leben folgenschweren Entscheid leidet. Ich bin sehr betroffen und erkenne, auch wenn ich mich als Medizinstudentin erst im ersten Semester befinde, wie gross die Tragweite ärztlichen Handelns sein kann. Zu diesem Zeitpunkt weiss ich aber noch gar nicht, wie viele weitere Gedanken über diese Geschichte mich noch lange nach unserem Gespräch beschäftigen sollten.