Ein Ablassbrief und ein Emissionszertifikat haben ­vieles gemeinsam. Beide sind ein Geschäft mit dem schlechten Gewissen, beide sind eine Risikoversicherung zum Erhalt des Seelenfriedens. Der Sündenablass des Mittelalters war eine Investition ins Jenseits, der Emissionshandel der Gegenwart verspricht mit CO2-Abgaben eine erträgliche Zukunft. Dantes Inferno und die Bilder des Hieronymus Bosch sind die bekanntesten Beispiele für ein Purgatorium, dem sich nur die Heiligen entziehen können. Ablasskampagnen hatten eine lange Tradition, vom ersten Kreuzzug bis zum Neubau des Petersdoms in Rom. Ein gutes Marketingkonzept, eine geniale Verbindung von Seelsorge mit Geldpolitik, die Gläubige entlastete und die dank der ­Bauwut der Renaissance-Päpste unzählige Touristen in die Ewige Stadt lockte.