Medizinische Vorsorge ist zweifellos etwas Gutes, und wer wäre für die Durchführung geeigneter als Ärztinnen und Ärzte? Aber seit dem eklatanten Misserfolg der Hormontherapie bei Frauen in der Menopause ist Vorsicht angesagt. Grundsätzlich folgte die Idee einer gewissen Logik: Nach der Menopause nehmen die weiblichen ­Hormone ab und die Frauen altern. Folglich müssen die ­Hormone ersetzt werden, um den Alterungsprozess zu ­stoppen. Von der Industrie unterstützte und von einigen Spezialisten propagierte ­Kohortenstudien schienen dies zu beweisen. Erst randomisierte und prospektive Studien, die Ko-Faktoren wie sozio-ökonomische Unterschiede ausschlossen, konnten zeigen, dass Hormone in der Tat schädlich sind. Diese Feststellung veranlasste Davi­d Sackett zu einem Leitartikel mit dem Titel The arro­gance of preventive medicine, in dem er sich u.a. so ­äussert: «Without evidence from positive randomized trials (and, better still, systematic reviews of random­ized trials) we cannot justify soliciting the well to accept any personal health intervention.» (Sackett DL. The arrogance of preventive medicine. CMAJ. 2002;167:363–4.)