Unsere Vorstellungen werden entscheidend durch die Sprache geprägt. Durch die Verwendung einer gendergerechten Sprache soll das Bewusstsein der Gleichwertigkeit von Frauen und Männern gefördert werden. Universitäten und Verwaltungen versuchen mit Leitfäden, Vorschriften, Tipps und Empfehlungen neue Formulierungen durchzusetzen. In Zürich hat kürzlich das Büro des Gemeinderats eine Interpellation zurückgewiesen, weil sie nicht geschlechtergerecht formuliert sei. Darin ging es um «Besetzer», ohne nach Geschlechtern zu differenzieren. Ein bisher unverfänglicher Plural, grammatikalisch als «generisches Maskulinum» bekannt. Eine männliche Form für eine Männer und Frauen umfassende Menge, wie Besucher, Hausbesetzer oder Schurken. Wie die Zurückweisung dieses korrekt verfassten Antrags zeigt, geht es um eine Auseinandersetzung zwischen Vertretern einer bisher gültigen Grammatik und den amtlichen Wächtern einer rigiden Verordnung. Inzwischen ein ideologisch eskalierter Sprachkrieg zwischen Befürwortern und Gegnern sprachlicher Gleichstellungsregeln. Dabei ist es durchaus sinnvoll, unser Sprachgefühl zu schärfen, alte Schreibweisen aufzubrechen und kreative Lösungen zu finden. Mit dem Mitgemeintsein des weiblichen Geschlechts ist es zu Recht vorbei. Vorschläge gibt es zuhauf: Paarformen, Binnen-I, Schrägstrich, Pluralbildungen oder substantiviertes Partizip Präsens, z.B. Studierende statt Studenten und Studentinnen. Neue Formen überzeugen oft durch ihre Einfachheit. Etwa Rede-pult statt Redner-pult, was erst noch eleganter tönt.