Die stetige Zunahme der Gesundheitskosten in der Schweiz und deren steigender Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) in den letzten zwanzig Jahren haben zahlreiche politische Eingriffe und Regulierungen nach sich gezogen und den politischen Fokus zunehmend auf das Gesundheitswesen gelenkt [1]. Studien belegen, dass die zunehmende Steuerung und der Druck auf die Gesundheitskosten Auswirkungen auf die Erbringung von medizinischen Leistungen haben können, indem betriebswirtschaftliche Faktoren medizinische Entscheidungen und Angebote beeinflussen können [2]. In diesem Zusammenhang werden in der Literatur die Begriffe Ökonomisierung und Kommerzialisierung der Medizin genannt. Dabei kann Ökonomisierung verstanden werden als ein Vordringen von wirtschaftlichen Prinzipien wie Effizienz, optimaler Ressourceneinsatz und Kostenbewusstsein in Bereiche, in denen vormals andere, eigene Prinzipien relevant waren [3]. Der Begriff Kommerzialisierung wird als die am weitest ausgebildete Form der Ökonomisierung angesehen und strebt dabei nach einer Gewinnmaximierung und einem selektiven Angebot in einem wettbewerbsorientierten Markt [4, 5]. Bezogen auf die Medizin kann dies zum Beispiel dazu führen, dass die verfügbare Zeit pro Patient kürzer wird, dass mehr Patienten pro Arzt und pro Tag behandelt werden [4], dass das Leistungsangebot nach der Abgeltung ausgerichtet wird [6] und dass der Fokus auf die Kosten der Leistungserbringung gelegt wird [7]. Weitere Folgen können sein, dass mehr Selbstzahlerleistungen angeboten werden [6] oder eine Patientenselektion betrieben wird, indem komplexe Patienten vermehrt an andere Leistungserbringer überwiesen werden [4]. Weiter wird in der Literatur beschrieben, dass diese Entwicklungen mit der zunehmenden Bürokratisierung und Überadministrierung der ärztlichen Tätigkeit einhergehen, da nur das bezahlt wird, was dokumentiert und nachgewiesen werden kann. Dazu kommen die vielen Rückfragen seitens der Kostenträger [8]. Dies geht meistens mit einer höheren Arbeitsbelastung, mehr Arbeitsstunden und damit verbunden auch mit einer Abnahme der Arbeitszufriedenheit einher [2]. In der einschlägigen Literatur geht man davon aus, dass die Entstehung der Kommerzialisierung der Medizin nicht aus dem Eigenantrieb der Ärztinnen und Ärzte erfolgt ist, sondern durch gesundheitspolitische Fehlsteuerungen und Fehlanreize entstanden ist, weil der Wettbewerb im Gesundheitswesen vielfach über Tarife oder Kosten stattfindet [7].