Die Psychoanalyse hatte von Anbeginn eine besondere Beziehung zur Geschichte. Sigmund Freud gab seiner neuen Wissenschaft und Behandlungstechnik in seinen verschiedenen Beiträgen zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung (1914) auch eine historische Darstellung. Er behielt sich vor, Garant für die neue Wissenschaft und deren Entstehungsgeschichte zu sein. Die Spuren der Geschichte der Psychoanalyse und deren Archive wurden lange ausschliesslich von seinen direkten Nachfolgern verwaltet und waren den Historikern nicht zugänglich. Die Polemik rund um die Öffnung der Archive zeugt davon. Die Geschichte der Psychoanalyse wurde von Psychoanalytikern, vorwiegend in Form von Biographien, selbst geschrieben (z.B. E. Jones «Sigmund Freund, Leben und Werk», 1953/1960). Um diesen selbstbezogenen Kreis zu verlassen, drängte sich ein pluridisziplinärer Zugang zur Geschichte der Psychoanalyse auf. Nach dem kanadisch-schweizerischen Psychiater H. Ellenberger, Psychologie- und Medizinhistoriker («The Discovery of the Inconscious – The History and Evolution of Dynamic Psychiatry», 1970), haben weitere nichtanalytische Forscher die Geschichte der Psychoanalyse neu in politische, soziale und wissenschaftliche Zusammenhänge gestellt.