Brückenbauerin – ein grosses Wort! Ich erkenne mich jedoch ziemlich gut in dem, was es bedeutet, wieder. Aufgewachsen in der Romandie, sprach ich trotz Deutschschweizer Vater zu Hause immer Französisch. Die deutschsprachige Kultur war immer ziemlich nah. Aber ich identifizierte mich nicht mit ihr. Wie vielen Westschweizern erschien mir das Land jenseits des Röstigrabens beinahe wie … jenseits des Atlantiks. Vom Dialekt ganz zu schweigen! Mit den Jahren kam es zu einer Annäherung an diese geheimnisvolle Region, wo vier aufeinanderfolgende Konsonanten wie ein gutturales Räuspern ausgesprochen werden (was mir heute leichtfällt!). Der «Wendepunkt» kam, als ich ein Studienjahr in Zürich absolvierte. Eine unvorhergesehene Begegnung mit Amors Pfeil und das «Unglück» – wie einige meiner (Westschweizer) Freunde lachend sagen – war geschehen. Liebe kümmert sich nicht um den Röstigraben, dafür bin ich der beste Beweis. Nach einigen Lehr- und Wanderjahren durch die gesamte Schweiz fasste ich den Entschluss, mich 250 Kilometer von jenem Ort niederzulassen, an dem ich aufgewachsen bin – mein französisch gefärbtes «Schwiizerdütsch» im Gepäck.