Strukturierte und sichere Patienten­übergaben

In allen Disziplinen, die stationär Patientinnen und ­Patienten behandeln, stellt deren Übergabe an das ­Behandlungsteam einer nächsten Schicht oder einer anderen Abteilung ein gewisses Risiko für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten dar. Schliesslich beeinträchtigen etwa unvollständige oder inkorrekte Informationen die Qualität von Entscheidungen und somit auch der Behandlung. Wie Nikolai Hulde vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen, Deutschland, erwähnt, kann sich die Medizin zur Verbesserung der Kommunikation bei Übergaben etwa ­eines Konzepts bedienen, das ursprünglich von der amerikanischen Marine für die sichere und effiziente Kommunikation in Atom-U-Booten entwickelt wurde. Mit Hilfe dieses sogenannten SBAR-Modells, ein Akronym aus den Bezeichnungen der vier einzelnen Schritte des Modells (Situation, Background, Assessment und Recommendation), werden in einer genau definierten Abfolge Informationen über die Patientin oder den ­Patienten und ihre oder seine Gesundheitssituation präsentiert. Dadurch wird das Übergabeprotokoll strukturiert, Missverständnisse werden vermieden und sowohl das Teamwork wie auch die Patienten­sicherheit werden verbessert. Nach einer Bereitstellung von persönlichen Patientenangaben wie Namen, Alter, Geschlecht und Informationen zu aktuellen Vitalzeichen (Situation) werden Hintergrundinformationen präsentiert, die für die Behandlung des Patienten oder der Patientin zentral sind (Background). Dazu gehören etwa die Anamnese, Befunde von körperlichen Untersuchungen, Allergien, Komorbiditäten, aber auch nichtmedizinische Informationen, zum Beispiel zu Wert­gegenständen, welche die Patientin oder der Patien­t beim Eintritt ins Spital bei sich hatte. In einem dritten Schritt werden die aktuelle Situation und die Arbeitsdiagnose dargelegt (Assessment), bevor die Übergabe mit einer Empfehlung zu weiteren Behandlungsmassnahmen beendet wird (Recommendation). Die genauen Bestandteile der einzelnen Phasen können zwischen unterschiedlichen medizinischen Disziplinen, Spitälern und Stationen variieren, so Olivier Pantet von der Erwachsenen-Intensivstation am Universitätsspital Lausanne (CHUV). Die von den folgenden vier Fragen geprägte Struktur ist jedoch allen Varianten des SBAR-Modells gemeinsam: Was ist passiert? (Situation), wie lautet die Vorgeschichte? (Background), was ist das Problem? (Assessment), und was sollte unternommen werden? (Recommendation).