Wer mit Zug oder Auto von Romanshorn nach Genf oder von Schaffhausen nach Chiasso unterwegs ist, sieht unterschiedlichste Landschaften, hört verschiedene Dialekte und Sprachen. Nur wenig bewusst mag aber sein, dass sich auf dieser Reise nicht nur Region und Sprache ändern, sondern auch die «Rettungslandschaft»: denn die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn nicht auch hier der Föderalismus gelebt würde, und das so ausgeprägt wie sonst in kaum einem anderen Bereich. Die medizinische Notfallversorgung wird zwar durchwegs von Rettungsdiensten sichergestellt, aber für schwer verletzte oder kritisch kranke Patientinnen und Patienten gibt es verschiedenste Versorgungsmodelle, vor allem auf personeller Ebene. Während bei dem einen Rettungsdienst Notärztinnen mit Fähigkeitsausweis Präklinische Notfallmedizin / Notarzt (SGNOR) und vielen Jahren klinischer und prähospitaler Erfahrung, oft mit Facharzttitel Anästhesie oder Allgemeine Innere Medizin im Einsatz sind, um schwer Verletzte oder kritisch Kranke zu behandeln, gibt es in anderen Regionen Systeme ohne Notärztinnen und Notärzte. Ersatzweise kommen Anästhesiepflege-Fachpersonen mit erweiterten Handlungskompetenzen zum Einsatz und es gibt Systeme, in denen von diplomierten Rettungssanitäterinnen und -sanitätern HF erwartet wird, dass sie das gesamte Einsatzspektrum beherrschen. Systeme ohne Notärztinnen und Notärzte berufen sich oft auf die Luftrettung als «notärztliches» Mittel. Diese kann jedoch meteobedingt nicht immer zum Einsatz kommen. Ergänzung finden Rettungsdienste in einigen vorwiegend ländlichen Regionen durch Haus- oder Notfallärztinnen und -ärzte.