Vor dem ersten Tag im Wahlstudienjahr fragt man sich üblicherweise, was einem als Unterassistentin respektive als Unterassistent bevorsteht. Was wird von einer Studentin, einem Studenten erwartet, der die letzten vier bis fünf Jahre damit verbracht hat, Vor­lesungsfolien zu lesen, und versucht hat, sich deren Inhal­t so gut es geht zu merken, um die beliebten Multiple Choice-Fragen beantworten zu können? Die Vermutungen sind unterschiedlicher Natur: Der eine stellt sich vielleicht schon vor, wie er erfolgreich eine Reanimation auf der Notfallstation durchführt, die andere erhofft sich, während des Chirurgie-Monats überhaupt ein Skalpell halten zu dürfen. Wiederum andere bereiten sich sogar mit Literatur und Nähsets fleissig auf die geplanten Fachgebiete vor. Oder aber man hofft einfach, all die wichtigen Pathologien und Therapie­ansätze aus den Vorlesungen, die man zuvor intensiv studiert hat, erfolgreich wiedergeben zu können und so gleich in der ersten Praktikumswoche eine gute Figu­r zu machen – wenn man dann überhaupt jene Krankheitsbilder antrifft.