Die unipolare Depression wird von der WHO weltweit als dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte ­Belastung identifiziert und den «Global Burden of ­Disease»-Report bis 2030 vor Herzerkrankungen und Demenzen anführen [1, 2]. In der Schweiz leiden 7% der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen unipolaren Depression [3], und bereits während der Jugend sind Depressionen für die meisten verlorenen Lebensjahre (DALYs) verantwortlich. Die Relevanz der Erkrankung wird durch die Eingruppierung der WHO in die höchste Behinderungskategorie – zusammen mit Psychose, schwerer Migräne, Tetraplegie und Krebs im Endstadium – deutlich [1]. Während Depressionen im Kindesalter zwischen beiden Geschlechtern noch weitestgehend gleichmässig verteilt sind und im Vergleich zum Jugend- und Erwachsenenalter eher unspezifische, somatische Beschwerden überwiegen (s.u.), leiden im Alter von zwölf Jahren weibliche Jugendliche 2,4-mal häufiger an einer schweren Depression als gleichaltrige männliche Jugendliche. Im Alter von 13 bis 16 Jahren wird das Maximum mit einem dreifach erhöhten Risiko bei jungen Frauen im Vergleich zu gleichaltrigen Männern erreicht [4]. Über die weitere Lebensspanne leiden Frauen konstant zweimal häu­figer an Depressionen als Männer [5]. Ob diese geschlechtsspezifische Prävalenz über die Lebensspanne real ist oder auf einem kriteriumsbezogenen Geschlechterbias beruht, ist Gegenstand der aktuellen Diskussion [5]. Argumente für einen Geschlechterbias stützen sich auf die Annahme, dass die Validität der Klassifizierungssysteme (DSM-5/ICD-10) zur Detektion der geschlechtsspezifischen Unterschiede infrage gestellt wird, da die «weiblichen» Depressionssymptome überrepräsentiert sind, die depressive Symptomatik bei Männern leichter übersehen wird und die Syndrom­diagnose auf der individuell erhobenen Psychopathologie basiert [5]. Um diese Frage objektiv beantworten zu können, ist es notwendig, die Psychopathologie ­geschlechtsspezifisch besser zu verstehen und geschlechtsunabhängige Biomarker in der Diagnostik zu implementieren.