Die jüngste Forderung nach einer «Ökologie der Aufmerksamkeit» [1] in der Medizin, die das Ziel verfolgt, durch ein verbessertes Arbeitsumfeld ein konzentrierteres und aufmerksameres Arbeiten zu ermöglichen, verdient unsere Beachtung angesichts der zunehmend durch Unterbrechungen und Ablenkungen gekennzeichneten Arbeitsweise der heutigen Ärzteschaft. Eine Studie am Waadtländer Universitätsspital CHUV hat ergeben, dass die dortigen Internistinnen und Internisten innert einer Stunde im Schnitt 15 verschiedene Aufgaben übernehmen [2]! Tatsächlich bemängeln zahlreiche Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung die häufigen Ablenkungen durch unterschiedlichste Anforderungen wie die klinische Dokumentation und die Datenerfassung zu Nachweis- oder Fakturierungszwecken. Kurz, durch all die unvermeidlich gewordenen medizinisch-administrativen «kategorischen Imperative», die den Arbeitsalltag der Medizinerinnen und Mediziner in Spitälern und Praxen zerstückeln und erschweren.