Die Ausgangslage
Seit Jahren zeigen Daten, dass soziokulturelle Kontexte und gesundheitliche Chancengleichheit kausal verbunden sind. Nebst den bekannten Faktoren, wie Einkommen, Bildung, beruflicher Status, gibt es zusätzlich übergreifende Faktoren, die in Bezug auf die eigene Gesundheit Einfluss haben – es handelt sich dabei mehrheitlich um Diskriminierungsfaktoren, wie beispielsweise Verständigungsprobleme. Die medizinische Versorgung in der Schweiz ist ohne Frage qualitativ hochstehend und über die Sozialversicherungssysteme in der Theorie auch der gesamten Bevölkerung zugänglich. Es ist jedoch so, dass der Zugang nicht für alle gerecht ist. Wissensdefizite, unterschiedliche Konzepte von Gesundheit und Krankheit sowie unterschiedliche Einschätzung der Wichtigkeit der Prävention führen zu einem unterschiedlichen Zugang[1]. Gerade die medizinische Versorgung weist eine hohe Komplexität auf. In der Verständigung über Gesundheit und Krankheit sind Finessen in Gesprächen ausschlaggebend für eine optimale Versorgung. Die Sicherstellung eines gerechten Zugangs und einer chancengerechten Behandlung ist eine immense Herausforderung für die Gesundheitsfachpersonen. Der Druck wird zusätzlich verstärkt, da häufig auch die Zeit nicht ausreicht und finanzielle Anreize so gesetzt sind, dass die Gesprächszeit weniger gut abgegolten oder sogar limitiert ist. Die Verantwortung für die zielgruppengerechte Versorgung liegt deshalb aktuell bei den Fachpersonen, da in der Gesundheitsversorgung systematische Angebote fehlen, die Menschen mit besonderem Bedarf erreichen.