StereotypenEin Placebo wirkt stärker, wenn es von einem weissen Mann verabreicht wird. Zu diesem Schluss kamen Forschende der ETH Zürich. In einem Experiment mit 1400 weissen Versuchspersonen aus den USA wollten sie herausfinden, wie tief Vorurteile sitzen. Dafür wurde bei den Freiwilligen zunächst eine allergische Hautreaktion ausgelöst und anschliessend eine wirkstofffreie Creme mit angeblich lindernder Wirkung aufgetragen. Das Ergebnis: Je nachdem, ob die medizinische Fachperson ein Mann oder eine Frau, asiatisch, weiss oder schwarz war, fiel die körperliche Reaktion unterschiedlich aus. Schwarze Mediziner lösten eine stärkere allergische Reaktion aus und die lindernde Salbe half, von ihnen aufgetragen, am wenigsten gut. Andersherum war der Placeboeffekt am stärksten, wenn der Mediziner dem Stereotyp «weisser Mann» entsprach. Dieser erweckte in den Versuchspersonen also unbewusst die grösste Heilungserwartung, was für den Placeboeffekt essenziell ist.