An diesem warmen Sommermorgen scheint die Sonne. Weizenfelder erstrecken sich zu beiden Seiten der Strasse, die zur Justizvollzugsanstalt Bellechasse führt. Die goldenen Ähren tanzen im Rhythmus einer leichten Brise. Landwirtschaftliche Fahrzeuge sind im Einsatz. Plötzlich zwingen ein Posten und eine Schranke zum Anhalten. «Guten Tag, ich begleite Dr. Corinne Devaud Cornaz für einen Artikel über Gefängnispsychiatrie.» Die Schranke hebt sich. «Wir werden Sie an der Rezeption anmelden und durch die Sicherheitskontrolle gehen», sagt die Psychiaterin, als sie aus ihrem Auto aussteigt. Bellechasse ist ein mittelgrosses Gefängnis mit 200 Inhaftierten. Hier muss man viele Türen aufschliessen. Die sechste führt zu einem Korridor, von dem aus die Gefangenen im offenen oder halboffenen Vollzug ihre tägliche Arbeit aufnehmen. An den Wänden haftet ein starker Zigarettengeruch. Im Rahmen des sogenannten «programme thérapeutique de jour (PTJ)» frühstücken in einem extra dafür vorgesehenen Raum drei Gefangene, eine Ergotherapeutin, eine Sozial-pädagogin und ein Pflegefachmann. «Möchten Sie einen Kaffee und Brot aus Bellechasse? Bedienen Sie sich, es gibt hausgemachte Konfitüre», sagt die Ergotherapeutin.