In der klinischen Praxis spielt sich die Begegnung mit Patientinnen und Patienten oft in einem Spannungsfeld von Wissen und Unsicherheit, von Objektivität und Subjektivität ab. Bekanntermassen wird Gesundheit nicht nur von wissenschaftlich belegten biologisch-medizinischen Faktoren, sondern auch stark von psychosozialen, kontextuellen und kulturellen Aspekten bestimmt. Somit kommt den Geisteswissenschaften eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, bei der Ausbildung und Ausübung der medizinischen Berufe ein Gegengewicht zu der im Westen üblichen Dominanz von Technik und Standardisierung zu schaffen. Tatsächlich sind sie heute besser eingebunden denn je. Sie helfen nicht nur im Umgang mit den Fragen und Erwartungen unserer Patientinnen und Patienten, sondern erleichtern uns auch die Lösung komplexer Probleme. Ein aktuelles Beispiel wäre etwa die Impfberatung einer skeptischen Person, in die neben biologisch-epidemiologischen Evidenzen auch pädagogische, kommunikative, psychologische und ethische Aspekte einfliessen sollten.